Mittel & Methoden im Tamalpa Life/Art Process®
Mittel & Methoden
Der Tamalpa Life/Art Process® ist eine so genannte multimodale Methode. Das heißt: die Ausdrucksmittel Tanzen, Malen und Schreiben werden miteinander verknüpft. Bewegung und Tanz ist dabei der Schwerpunkt. Jede Ausdrucksform schenkt uns einen Zugang zu uns selbst, der sich durch den Dialog zwischen den Ausdrucksformen immer mehr vertieft.
Durch die Kombination von Tanzen, Malen und Schreiben entstehen oft verblüffende Einsichten in bereits in uns vorhandenes inneres Wissen. Dieses Wissen ist unser Kompass für unser Leben!
Die 3 Ebenen von Gewahrsein und Ausdruck
Im Tamalpa Life/Art Process® üben wir, dafür aufmerksam zu sein, was in uns präsent ist. Unsere physische, emotionale, mentale und spirituelle Ebene sind eine Einheit. Wir üben, diese Ebenen auch einzeln wahrzunehmen.
Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Welche Gefühle und Emotionen laufen gerade durch mich hindurch? Welche Vorstellungen, Bilder und Geschichten sind gerade in mir lebendig? Und welchen Sinn gebe ich dem Ganzen?
Durch die Wahrnehmung der einzelnen Ebenen lernen wir uns besser kennen. Welche Ebene ist in mir vorscherrschend und möchte ich das so? Welche Ebene unterstützt mich besonders? Gibt es eine Ebene, die mich in Schwierigkeiten bringt?
Sehr oft sind wir sehr kopfbetont und glauben, manchmal zu schnell, die Geschichten, die uns unser Kopf erzählt, während wir nicht fest mit beiden Füßen auf dem Boden stehen. Ist eine Ebene sehr überbetont, kann ein bewusster Ebenenwechsel sehr hilfreich sein, um zu einem neuen Gleichgewicht zu finden.
Der 5-Phasen-Prozess
Beim Tamalpa Life/Art Process® werden Prozesse als Ablauf von 5 Phasen betrachtet: Identifikation, Konfrontation, Loslassen, Veränderung und Wachstum.
Dieser Prozess läuft natürlicherweise von selbst ab – und zugleich kann es hilfreich sein, Prozesse auf diese Weise zu gestalten oder sich einfach bewusst zu sein, dass es eine Abfolge gibt.
Sie ist ungefähr wie folgt: Ein Thema zeigt sich, vielleicht ist es uns nicht gleich bewusst. Worum geht es eigentlich? Es kann eine Weile dauern, bis klar wird, was gerade Sache ist. Dann nähern wir uns dem Thema und setzen uns intensiv damit auseinander. Die Körperspannung steigt. Möglicherweise wird der Atmen schneller und flacher. Manchmal werden uns dabei auch Dinge klar, die sich unangenehm anfühlen. Möglicherweise begegnen wir inneren Widerständen oder wollen etwas nicht wahrhaben. Es kann sein, dass sich unsere Muster verstärken. Nach einer Zeit der intesiven Beschäftigung mit unserem Thema kommt wie von selbst ein Loslassen. Nach der Anspannung kommt die Entspannung, nach dem Einatmen das Ausatmen. Das Loslassen ist wie ein Ausatmen. Die Körperspannung lässt nach, vielleicht fließen Tränen, der Atem vertieft und beruhigt sich. Die Erahrungen ordnen sich in mir neu.
Und dann kommt etwas Neues – die Veränderung. Ich bin offener, die Sinneswahrnehmung ist klar, ich blicke nach außen. Ich mache langsame erste Schritte – oder vielleicht geht es auch ganz schnell. Ich probiere etwas Neues, fühle etwas Neues. Vielleicht braucht es auch Mut, neue Wege zu gehen.
Mit der Zeit stellt sich Wachstum ein. Ich bin auf einer neuen Ebene in der Spirale angekommen, habe das Erfahrene integriert.
Und dann kann der Prozess von Neuem starten, denn das Leben geht ja weiter.
Dieser Prozess lässt sich im Großen und im Kleinen beobachten. Im Laufe einer Stunde, eines Tages, einer Woche, eines Monats, eines Jahres, eines Jahrzehnts.
Es kann sehr hilfreich sein zu wissen, wo im Prozess ich mich gerade befinde. Das verleiht mir mehr Verständnis für mich selbst. Ich weiß besser, was ich gerade brauche und kann besser für mich sorgen.
Beobachtung von Bewegung
Bewegung erzählt uns so viel! Wie nutzt eine Tänzer:in den Raum und die Raumebenen? Wie ist ihr Tempo und ihre Dynamik? Setzt sie vor allem geführte Bewegungen ein oder Schwung? Gibt es bevorzugte Körperteile? Wie werden die Körperteile miteinander in Verbindung gesetzt? Kriterien für die Beobachtung von Bewegung helfen uns, mehr wahrzunehmen.
Es geht dabei nie um Bewertung, sondern um die Möglichkeit, wertneutral beobachten und beschreiben zu können, was wir sehen. Siehe hierzu: Zeuginnenschaft/wertschätzende Kommunikation.
Zeuginnenschaft/wertschätzende Kommunikation
Um einen sicheren Raum zu schaffen, in dem jede/r so sein darf, wie sie ist, ist es wichtig, eine wertschätzende Kommunikation zu praktzieren.
Wir unterscheiden in einer Rückmeldung zwischen dem, was wir gesehen und gehört haben, was wir selbst dabei gefühlt haben und welche Bilder und Vorstellungen in uns dabei geweckt wurden. So kommunizieren wir authentisch und klar. Auch kommen wir eventuellen Projektionen leichter auf die Schliche.
Die beobachtete Person kann sich sicher fühlen, denn ihr wird nichts übergestülpt. Natürlich ist es auch ein Prozess, eine solche Beobachtung und Kommunikation einzuüben.
Der psychokinetische Imaginationsprozess
Der recht sperrige Begriff „psychokinetischer Imaginationsprozess“ beschreibt den Prozess des Wechsels zwischen den Ausdrucksebenen.
Das heißt zum Beispiel: wir „tanzen“ Elemente aus einem gemalten Bild. Wir setzen unsere inneren Bilder, Vorstellungen und Worte in Bewegung um. Wir lassen unsere gefühlte Erfahrung mit Farben auf dem Papier sichtbar werden.
Auf diese Weise kann zuvor Unbewusstes an die Oberfläche kommen. Wir stärken die Verbindung zwischen unseren Gewahrseinsebenen, also die Verbindung zwischen Fühlen, Spüren, Denken und Sinngeben.
Metaphern
Metaphern sind ein wichtiges Element im Tamalpa Life/Art Process®. Unsere Sprache drückt viele Verbindungen zwischen Gefühls- und Erlebenszuständen und dem Körper aus.
Uns geht es so gut, dass wir die ganze Welt umarmen könnten.
Das Herz geht uns auf.
Wir lieben jemand so sehr, dass wir ihn auf Händen tragen möchten.
Wir tragen unser Herz auf der Zunge, tragen das Gewicht der Welt auf unseren Schultern und uns sitzt die Angst im Nacken.
Diese sprachlichen Metaphern drücken gesellshaftliche Zuschreibungen der Bedeutung von Körperteilen aus. Wir können diese körperlich erkunden und spüren, damit spielen und uns selbst entscheiden, mit welchen Metaphern wir leben möchten.
Der persönliche Mythos
Im Körper sind all unsere Lebenserfahrungen gespeichert – und nicht nur unsere. Gesellschaftliche Zuschreibungen, kulturelle Erinnerungen und unsere Familiengeschichte sind dort ebenfalls zu finden, beeinflusst durch unser eigenes Sein.
Unsere Körperzustände und -gefühle und die Geschichten, die wir uns dazu erzählen, bilden unseren persönlichen Mythos – oder vielleicht sogar Pathos. Wir können diese Geschichten erkunden, aufdecken, ansehen, damit spielen und uns selbst entscheiden: Welche Geschichte erzähle ich mir über mein Leben?
Das geschieht im Kleinen bei jedem Kursabend. Wir können aber auch eine Reise durch unseren ganzen Körper antreten, die Geschichten der einzelnen Körperteile erkunden und dann neu fühlen: Welche Geschichte möchte ich erzählen, mit meinem Körper und mit meinem Leben?
ZEIT ZUM LEBEN
Mirjam Bayer
Life/Art Process | Permakultur | Kurse in Landau | Kurse in Karlsruhe | Frauengruppen | Frauenkurse | Kunsttherapie